VVPN – Verband der Vertragspsychotherapeuten Nordbaden

Mitglied im BVVP Baden-Württemberg und BVVP Bundesverband

Ausbildung / PiA

bvvp positioniert sich gegen Omnibus im Ausbildungsreformgesetz der Psychologischen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten: Erneut massiver Eingriff in die psychotherapeutische Versorgung zulasten psychisch kranker Menschen

Ber­lin, 27.09.2019. Am 26. Sep­tem­ber wur­de das Aus­bil­dungs­re­form­ge­setz der Psy­cho­lo­gi­schen und Kin­der- und Ju­gend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­ten im Bun­des­tag ver­ab­schie­det, was sehr zu be­grü­ßen ist.

Es dient je­doch auch als Om­ni­bus für di­ver­se Re­ge­lun­gen, die die psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Ver­sor­gung ge­setz­lich ver­si­cher­ter Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten be­tref­fen. Die Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on hat in letz­ter Mi­nu­te, weit über die not­wen­di­gen Re­ge­lun­gen des ei­gent­li­chen Psy­cho­the­ra­peu­ten­ge­set­zes hin­aus, An­trä­ge ge­stellt, die zu weit­rei­chen­den Ver­än­de­run­gen der bis­he­ri­gen Rah­men­be­din­gun­gen der Richt­li­ni­en­psy­cho­the­ra­pie in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung füh­ren und nicht vor­her­seh­ba­re Fol­gen für die Ver­sor­gung mit sich brin­gen. Der Bun­des­ver­band der Ver­trags­psy­cho­the­ra­peu­ten e.V. (bvvp) lehnt die­se mit der Pro­fes­si­on un­ab­ge­stimm­ten Ein­grif­fe ent­schie­den ab!

Mit dem Ge­setz wird der Ge­mein­sa­me Bun­des­aus­schuss (G-BA) be­auf­tragt, sämt­li­che Re­ge­lun­gen zum An­trags- und Gut­ach­ter­ver­fah­ren auf­zu­he­ben, so­bald er ein Ver­fah­ren zur Qua­li­täts­si­che­rung nach § 136a Ab­satz 2a ein­ge­führt hat.

Au­ßer­dem sol­len die ers­ten 10 Stun­den ei­ner Kurz­zeit­the­ra­pie mit ei­nem Zu­schlag von 15 Pro­zent ver­se­hen wer­den, so­fern die Min­dest­sprech­stun­den­zeit von 25 Wo­chen­stun­den bei vol­lem Ver­sor­gungs­auf­trag er­füllt wird.

Ei­ne Auf­he­bung des ge­sam­ten An­trags- und Gut­ach­ter­ver­fah­ren an­zu­ord­nen, be­vor ein al­ter­na­ti­ves Sys­tem der Qua­li­täts­si­che­rung ab­schlie­ßend ent­wi­ckelt und ins­be­son­de­re eva­lu­iert ist, ist un­ver­ant­wort­lich und wi­der­spricht jeg­li­cher Sorg­falts­pflicht ge­gen­über den Pa­ti­en­ten.

Das Gut­ach­ter­ver­fah­ren ist ei­ne Mög­lich­keit der Qua­li­täts­si­che­rung, stellt aber vor al­lem, zu­sam­men mit dem An­trags- und Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren, ei­ne Vor­ab-Wirt­schaft­lich­keits­prü­fung der Kran­ken­kas­sen dar, die nun durch die Auf­he­bung des bis­he­ri­gen Ver­fah­rens als Gan­zes ab­ge­schafft wer­den soll. Da­mit ent­fällt die er­for­der­li­che Si­cher­heit für den the­ra­peu­ti­schen Pro­zess. Ge­ra­de für schwie­ri­ge und lang­wie­ri­ge The­ra­pie­pro­zes­se mit in­sta­bi­len Ver­läu­fen er­mög­licht ei­ne Ge­neh­mi­gung im Vor­hin­ein mit Zu­si­che­rung fes­ter Kon­tin­gen­te, dass sich Psy­cho­the­ra­peu­ten mit ih­ren Pa­ti­en­ten ge­mein­sam dar­auf ein­las­sen kön­nen. Die­ser si­che­re Rah­men ist un­ver­zicht­bar ge­ra­de für schwer psy­chisch er­krankt Men­schen, die auf der Stre­cke zu blei­ben dro­hen. Über­dies ist mit den vor­ge­se­he­nen Än­de­run­gen die durch das Bun­des­so­zi­al­ge­richt fest­ge­leg­ten Min­dest­ver­gü­tung psy­cho­the­ra­peu­ti­scher Leis­tun­gen, so­mit die wirt­schaft­li­che Ab­si­che­rung und folg­lich die ge­sam­te psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Ver­sor­gung in Ge­fahr. Der In­no­va­ti­ons­fond för­dert der­zeit Pro­jek­te zur Eva­lua­ti­on der kürz­lich be­schlos­se­nen weit­rei­chen­den Än­de­run­gen der Psy­cho­the­ra­pie-Richt­li­nie, ins­be­son­de­re auch des Gut­ach­ter­ver­fah­rens, die En­de des Jah­res 2022 ab­ge­schlos­sen sein sol­len. Zu­dem ent­wi­ckelt das In­sti­tut für Qua­li­täts­si­che­rung und Trans­pa­renz im Ge­sund­heits­we­sen, IQTiG, Vor­schlä­ge zur Qua­li­täts­si­che­rung. Die Er­geb­nis­se wer­den im Ab­schluss­be­richt En­de Au­gust 2022 vor­lie­gen. Die­se Eva­lua­tio­nen wer­den nicht ab­ge­war­tet, Ver­si­cher­ten­gel­der wer­den so­mit ver­schwen­det.

Auch mit ei­nem ge­ziel­ten wirt­schaft­li­chen An­reiz zur Be­vor­zu­gung von Kurz­zeit­the­ra­pie ge­gen­über Lang­zeit­the­ra­pie wird die Be­nach­tei­li­gung von Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten mit schwe­rer Sym­pto­ma­tik fort­ge­setzt, de­ren Ver­sor­gung dem Ge­setz­ge­ber an­geb­lich be­son­ders am Her­zen liegt.

Ent­set­zen über die­se Vor­ge­hens­wei­se brei­tet sich nicht nur an­ge­sichts der dro­hen­den Zer­stö­rung der Richt­li­ni­en­psy­cho­the­ra­pie aus, son­dern - viel weit­rei­chen­der - im Hin­blick auf die Aus­höh­lung de­mo­kra­ti­scher Grund­sät­ze. Es wur­den tief­grei­fen­de Sys­te­m­än­de­run­gen oh­ne Rück­kop­pe­lung mit der Pro­fes­si­on in ein der Sa­che frem­des, näm­lich die Aus­bil­dungs­re­form be­tref­fen­des Ge­setz ein­ge­führt – und das mit dem Trick des Om­ni­bus­ses. All dies ge­sch­ah oh­ne Dis­kus­si­ons- und Re­ak­ti­ons­mög­lich­keit für die Ex­per­ten, die die Än­de­run­gen be­ur­tei­len kön­nen. Vor­lie­gen­de Stu­di­en wur­den nicht be­rück­sich­tigt. Den Än­de­run­gen fehlt jed­we­de wis­sen­schaft­li­che Grund­la­ge. Das kann nur einen tief­grei­fen­den Ver­trau­ens­ver­lust in die Po­li­tik nach sich zie­hen. Wo ist hier ei­ne star­ke Op­po­si­ti­on, die ge­gen ei­ne sol­che Vor­ge­hens­wei­se vor­geht?

Der bvvp stellt sich ihr je­den­falls ent­schie­den ent­ge­gen!

Für den bvvp

Di­pl.-Psych. Be­ne­dikt Wald­herr

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