VVPN – Verband der Vertragspsychotherapeuten Nordbaden

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Ausbildung / PiA

bvvp Pressemitteilung: "26 Wochenstunden in der praktischen Tätigkeit der PiA entsprechen Vollzeit" - Großer Missstand abgemildert, aber nicht beseitigt

Bun­des­re­gie­rung stellt klar: „26 Wo­chen­stun­den in der prak­ti­schen Tä­tig­keit der PiA ent­spre­chen Voll­zeit“ – Großer Miss­stand ab­ge­mil­dert, aber nicht be­sei­tigt

Ein knap­pes Jahr nach Ver­ab­schie­dung des Psy­cho­the­ra­peu­ten­aus­bil­dungs­re­form­ge­set­zes gibt es nun end­lich Klar­heit: In der Ant­wort auf ei­ne Klei­ne An­fra­ge der FDP Bun­des­tags­frak­ti­on stellt die Bun­des­re­gie­rung fest, dass die Psy­cho­the­ra­peu­tIn­nen in Aus­bil­dung in ih­rer Prak­ti­schen Tä­tig­keit nach § 27 PsychThG ei­ne ver­pflich­ten­de wö­chent­li­che Ar­beits­zeit von et­wa 26 Stun­den leis­ten müs­sen, um auf ein Voll­zei­t­ä­qui­va­lent zu kom­men. Da­bei wird be­rück­sich­tigt, dass 1200 Stun­den in die­sem Aus­bil­dungs­ab­schnitt vor­ge­schrie­ben sind und au­ßer­dem ne­ben der kli­ni­schen Tä­tig­keit Se­mi­na­re, Selbs­t­er­fah­rung und Su­per­vi­si­on wahr­ge­nom­men wer­den müs­sen. Die ab 01.09.2020 zu zah­len­de Brut­to­ver­gü­tung von min­des­tens 1000 Eu­ro in der prak­ti­schen Tä­tig­keit be­zieht sich al­so auf 26 Wo­chen­ar­beits­stun­den. Die­se Min­dest­ver­gü­tung wird für die Kli­ni­ken durch ei­ne Än­de­rung der Bun­des­pfle­ge­satz­ver­ord­nung re­fi­nan­ziert. Ei­ne an­ge­mes­se­ne Ver­gü­tung ent­spre­chend des Grund­be­ru­fes ist durch die­se Re­ge­lung nicht ex­pli­zit aus­ge­schlos­sen.

„Bis­her“, so Eli­sa­beth Dal­lü­ge, Spre­che­rin des Jun­gen Fo­rum des bvvp, „war un­klar, auf wel­chen Stun­de­n­um­fang sich die im Ge­setz fest­ge­leg­ten 1000 Eu­ro be­zie­hen. Wir freu­en uns, dass die­se Fra­ge nun end­lich ge­klärt ist und mit die­ser Aus­sa­ge die PiA an die Kli­ni­ken her­an­tre­ten und ent­spre­chen­de Ver­trä­ge ein­for­dern kön­nen“, so Dal­lü­ge. „Dass es erst ei­ner er­gän­zen­den An­fra­ge von Par­la­men­ta­ri­ern be­darf, bis die Bun­des­re­gie­rung sich hier­zu äu­ßert, ist ge­nau­so un­wür­dig wie die Tat­sa­che, dass die Ver­gü­tung mit 9,61 Eu­ro pro Stun­de wei­ter­hin deut­lich un­ter dem Min­dest­lohn liegt. Die­se Ver­gü­tung ent­spricht noch im­mer in keins­ter Wei­se der Qua­li­fi­ka­ti­on der Psy­cho­the­ra­peu­tIn­nen in Aus­bil­dung. Es han­delt sich hier um the­ra­peu­tisch ar­bei­ten­de Psy­cho­lo­gIn­nen oder Päd­ago­gIn­nen mit ei­nem Hoch­schul­ab­schluss", kri­ti­siert Dal­lü­ge. Dass trotz­dem Freu­de ent­steht, macht deut­lich, un­ter wel­chen fi­nan­zi­ell un­wür­di­gen Um­stän­den die PiA bis­her ih­re Aus­bil­dung ab­sol­viert ha­ben. Dies war ei­ner der zen­tra­len Grün­de, ei­ne Re­form zu for­dern. „Da­mit wur­de ein großer Miss­stand für die Über­gangs­zeit bis 2032 zu­min­dest ab­ge­mil­dert, wenn auch nicht be­sei­tigt“, führt Ul­ri­ke Bö­ker vom bvvp wei­ter aus.

Die FDP-Ab­ge­ord­ne­ten Dr. Wie­land Schin­nen­burg, Mi­cha­el Theu­rer und Re­na­ta Alt stell­ten au­ßer­dem Fra­gen zur An­zahl der zu­künf­ti­gen Stu­di­en­plät­ze, zur Ge­währ­leis­tung der Ver­fah­rens­viel­falt an den Uni­ver­si­tä­ten, zur Fi­nan­zie­rung des neu­en Stu­dien­gangs „Psy­cho­the­ra­pie“ so­wie zur An­zahl und Fi­nan­zie­rung der neu zu schaf­fen­den Wei­ter­bil­dungs­plät­ze für die zu­künf­ti­gen Fach­psy­cho­the­ra­peu­tIn­nen. Dies al­les sind für die Pro­fes­si­on zen­tra­le An­lie­gen, die seit Ver­ab­schie­dung der Aus­bil­dungs­re­form der Psy­cho­lo­gi­schen und Kin­der- und Ju­gend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­tIn­nen auf Klä­rung war­ten.

Die Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen kön­nen al­ler­dings nur als ent­täu­schend, we­nig sach­kun­dig und nicht hilf­reich be­zeich­net wer­den. So kann sich der bvvp der Be­wer­tung von Dr. Wie­land Schin­nen­burg (MdB) nur an­schlie­ßen: „Bei der Um­set­zung der neu­en Psy­cho­the­ra­peu­ten­aus­bil­dung hakt es noch an vie­len Stel­len. Statt hel­fend ein­zu­grei­fen, ver­schließt die Bun­des­re­gie­rung die Au­gen vor den Pro­ble­men.“

Das Jun­ge Fo­rum des bvvp schließt sich Dr. Schin­nen­burgs For­de­rung an den Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter an, „ge­mein­sam mit den Län­dern und Hoch­schu­len da­für Sor­ge zu tra­gen, dass die Re­form der Psy­cho­the­ra­peu­ten­aus­bil­dung schnell und pro­blem­los um­ge­setzt wer­den kann. Be­den­ken der Be­tei­lig­ten dür­fen nicht ein­fach igno­riert wer­den.“

Mit mehr als 5400 Mit­glie­dern ist der bvvp die größ­te in­te­gra­ti­ve In­ter­es­sen­ver­tre­tung von ärzt­li­chen, psy­cho­lo­gi­schen und Kin­der- und Ju­gend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­tIn­nen.

Für den bvvp

Eli­sa­beth Dal­lü­ge, Psy­cho­lo­gin M.Sc., Spre­che­rin Jun­ges Fo­rum des bvvp
Di­pl.-Psych. Ul­ri­ke Bö­ker, ko­op­tier­tes Mit­glied des Vor­stands des bvvp

Di­pl.-Psych. Be­ne­dikt Wald­herr, Vor­sit­zen­der des bvvp

Ber­lin, 12.08.2020

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