VVPN – Verband der Vertragspsychotherapeuten Nordbaden

Mitglied im BVVP Baden-Württemberg und BVVP Bundesverband

Ausbildung / PiA

PM des bvvp: Kein erneuter Versuch der Rationierung und Verknappung von Psychotherapie als Omnibus über das Gesetz zur Ausbildungsreform

Pres­se­er­klä­rung zur ge­plan­ten Re­form der Psy­cho­the­ra­peu­ten­aus­bil­dung:

Kein er­neu­ter Ver­such der Ra­tio­nie­rung und Ver­knap­pung von Psy­cho­the­ra­pie als Om­ni­bus über das Ge­setz zur Aus­bil­dungs­re­form

Der bvvp be­grüßt grund­sätz­lich die ak­tu­el­le Vor­la­ge ei­nes Ge­set­ze­s­ent­wur­fes zur Wei­ter­ent­wick­lung des nun schon 20 Jah­re al­ten Aus­bil­dungs­ge­set­zes für die Psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten und die Kin­der- und Ju­gend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­ten.

Der vor­ge­leg­te Re­gie­rungs­ent­wurf ist al­ler­dings in we­sent­li­chen Punk­ten noch drin­gend ver­bes­se­rungs­be­dürf­tig. So fehlt ein über­zeu­gen­des Kon­zept zur ge­si­cher­ten Fi­nan­zie­rung der künf­ti­gen Wei­ter­bil­dung. Ge­nau­so fehlt ei­ne Über­gangs­re­ge­lung für die jet­zi­gen Psy­cho­the­ra­peu­ten in Aus­bil­dung, de­ren pre­kä­re Si­tua­ti­on ei­ne der wich­tigs­ten Grün­de da­für ist, warum die Re­form not­wen­dig wur­de.

Sor­ge be­rei­tet dem bvvp die man­geln­de Si­che­rung der Ver­fah­rens­viel­falt im vor­ge­se­he­nen Stu­di­um der Psy­cho­the­ra­pie, un­zu­rei­chen­de Pra­xi­san­tei­le, die noch feh­len­de Ap­pro­ba­ti­ons­ord­nung so­wie die of­fe­ne Fra­ge, wie ei­ne aus­rei­chen­de Ori­en­tie­rung der Aus­bil­dung an den wis­sen­schaft­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­währ­leis­tet wer­den soll. Aus­führ­li­che Stel­lung­nah­men da­zu hat der bvvp dem Ge­sund­heits­aus­schuss des Bun­des­ta­ges über­mit­telt.

Höchst be­denk­lich ist der Ver­such von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn, die Ra­tio­nie­rung und Ver­knap­pung von Psy­cho­the­ra­pie nun über das Ge­setz zur Aus­bil­dungs­re­form als Om­ni­bus er­neut durch­zu­set­zen. Einst­mals wur­de dies dar­über ver­sucht, ei­ne ge­stuf­te und ge­steu­er­te Ver­sor­gung im TSVG mit ei­ner vor­ge­schal­te­ten Ent­schei­dungs­in­stanz als Ein­gangs­be­din­gung zur Psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Be­hand­lung ein­zu­füh­ren, was von ei­ner Mehr­heit von Po­li­ti­kern und von 217000 Men­schen mit ih­rer Un­ter­schrift in ei­ner Pe­ti­ti­on ab­ge­lehnt wor­den war.

Die jet­zi­ge For­mu­lie­rung for­dert die Ein­füh­rung dia­gno­se­ori­en­tier­ter und leit­li­ni­en­ge­rech­ter Be­hand­lungs­kon­tin­gen­te. Das klingt auf den ers­ten Blick ein­leuch­tend. Der Ex­per­te aber weiß, dass Be­hand­lungs­pla­nung in der Psy­cho­the­ra­pie sich bei wei­tem nicht nur aus der Dia­gno­se ab­lei­ten lässt, son­dern un­ab­ding­bar auch die Ein­be­zie­hung der viel­fäl­ti­gen äu­ße­ren Le­ben­sum­stän­de wie in­ne­ren Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten der Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten er­for­dert. Die­se fin­den sich in der Dia­gno­se auch nicht an­deu­tungs­wei­se wie­der. Be­hand­lungs­pla­nung ist al­so hoch in­di­vi­du­ell und muss un­ter Ein­be­zug und Be­ach­tung ver­schie­dens­ter Fak­to­ren und Kon­stel­la­tio­nen er­fol­gen. Die­se wer­den, wenn nicht oh­ne­hin nur Kurz­zeit­psy­cho­the­ra­pie statt­fin­det, in der not­wen­di­gen Be­an­tra­gung von Psy­cho­the­ra­pie de­tail­liert auf­ge­schlüs­selt und gut­ach­ter­lich über­prüft, be­vor die Be­hand­lung be­gin­nen kann.

Das qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge, in sei­ner Dif­fe­ren­zie­rung nicht zu über­tref­fen­de Be­hand­lungs­sys­tem der am­bu­lan­ten Psy­cho­the­ra­pie droht mit der er­neu­ten For­de­rung des Ge­sund­heits­mi­nis­ters zer­stört zu wer­den.

Warum tut man so et­was, wenn nicht zur wei­te­ren Ver­knap­pung und Durch­öko­no­mi­sie­rung im Ge­sund­heits­we­sen, die uns al­le, die gu­te Ar­beit leis­ten wol­len, ab­wer­tet und den psy­chisch kran­ken Men­schen nicht hilft?“, fragt Be­ne­dikt Wald­herr, 1. Vor­sit­zen­der des Bun­des­ver­ban­des der Ver­trags­psy­cho­the­ra­peu­ten bvvp e.V..

Leit­li­ni­en ge­ben ei­ne Ori­en­tie­rung zu ak­tu­ell gül­ti­gen, und in ih­rer Wirk­sam­keit mehr oder we­ni­ger gut be­leg­ten Be­hand­lungs­we­gen. Ent­spre­chend sind sie im Fluss und sel­ten voll­stän­dig bzw. vollen­det. Al­le drei bzw. fünf Jah­re müs­sen Sie neu über­ar­bei­tet wer­den. Zu­dem sind sie auf je­weils ei­ne Dia­gno­se zu­ge­schnit­ten und bil­den nicht die Rea­li­tät un­se­rer häu­fig ko­mor­bi­den Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten ab. Sie bie­ten zwar ei­ne Ori­en­tie­rung, sind aber zur Ab­lei­tung der Hö­he von Be­hand­lungs­kon­tin­gen­ten nicht ge­eig­net. Man kann kein Ge­setz aus ih­nen ab­lei­ten und sie bil­den auch kei­ne jus­ti­tia­ble Be­hand­lungs­grund­la­ge. Je­der Arzt und je­der Psy­cho­the­ra­peut bleibt ver­ant­wort­lich für sei­ne Be­hand­lungs­ent­schei­dun­gen, die auch von der Leit­li­nie ab­wei­chen kön­nen und manch­mal müs­sen. Nur das ge­währ­leis­tet ei­ne an­ge­mes­se­ne und da­mit gu­te Be­hand­lung.

Für den bvvp

Di­pl.-Psych. Be­ne­dikt Wald­herr

1. Vor­sit­zen­der

Ber­lin, 13.05.2019

weitere Artikel zum Thema

Cookie-Warnung

Für statistische Zwecke und um bestmögliche Funktionalität zu bieten, speichert diese Website Cookies auf Ihrem Gerät. Das Speichern von Cookies kann in den Browser-Einstellungen deaktiviert werden. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Details finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Akzeptieren