VVPN – Verband der Vertragspsychotherapeuten Nordbaden

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Honorare

Honorarabschluss 2013 – Was haben wir Psychotherapeuten davon?

BVVP-In­fo: Ho­no­ra­rab­schluss der Kran­ken­kas­sen und der Kas­sen­ärzt­li­chen
Bun­des­ver­ei­ni­gung für 2013

Ei­nes der Er­geb­nis­se ist die künf­ti­ge ex­tra­bud­ge­tä­re Ver­gü­tung der ge­neh­mi­gungs­pflich­ti­gen Psy­cho­the­ra­pieleis­tun­gen für al­le Arzt­grup­pen und der pro­ba­to­ri­schen Sit­zun­gen ab 2013 für die aus­schließ­lich psy­cho­the­ra­peu­tisch Tä­ti­gen.

Die­ser Er­folg wird ins­be­son­de­re von der Ärz­te­schaft an die große Glo­cke ge­hängt: end­lich müss­ten die Kran­ken­kas­sen das fi­nan­zie­ren, was sie be­wil­li­gen und die Zu­wachs­ra­ten un­mit­tel­bar über­neh­men. Wäh­rend die Ho­no­rar­er­hö­hun­gen ins­ge­samt 3,6 bis 3,9% be­tra­gen, kom­men bei den Psy­cho­the­ra­peu­ten mit Si­cher­heit nur 0,9% Er­hö­hung an, dar­über hin­aus wird aber auch ei­ne Er­hö­hung des Leis­tungs­be­darfs um die Mor­bi­di­täts­ra­te von ca. 1% ei­ne Aus­wir­kung auf die letz­ten üb­ri­gen nicht­ge­neh­mi­gungs­pflich­ti­gen Leis­tun­gen ha­ben.

Es ist po­si­tiv zu be­wer­ten, dass das Mor­bi­di­täts­ri­si­ko, d.h. die Fi­nan­zie­rung des Zu­wach­ses von psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Leis­tun­gen, vom ers­ten Quar­tal an künf­tig auf die Kran­ken­kas­sen über­geht, die auch die neu­en Ver­trags­psy­cho­the­ra­peu­ten­sit­ze (ca. 1.100 bun­des­weit) und die zu­sätz­lich ent­ste­hen­den hal­b­en Ver­trags­sit­ze fi­nan­zie­ren müs­sen.

Die wei­ter­hin in­suf­fi­zi­en­te Be­wer­tung un­se­rer zeit­ab­hän­gi­gen und nicht aus­weit­ba­ren psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Ein­zel­leis­tun­gen mit ei­ner Stei­ge­rung um 73 Cent deckt noch nicht mal die jähr­li­che In­fla­ti­on von 2% seit 2009 ab. So­mit ge­hen die Psy­cho­the­ra­peu­ten in das 4. Jahr oh­ne nen­nens­wer­te Er­hö­hung der The­ra­pie­sit­zung und müs­sen wie­der einen fak­ti­schen Ver­lust in der Be­wer­tung ih­rer Leis­tun­gen in Kauf neh­men.

Trotz der mick­ri­gen Preis­er­hö­hung gilt auch wei­ter­hin die BSG-Recht­spre­chung, dass die Psy­cho­the­ra­peu­ten die Chan­ce ha­ben müs­sen, ein den Ver­gleichs­arzt­grup­pen ver­gleich­ba­res Ho­no­rar zu er­zie­len. Der Be­wer­tungs­aus­schuss bleibt auch wei­ter­hin in sei­ner Pflicht, zu prü­fen, ob der Ge­winn ei­nes Psy­cho­the­ra­peu­ten un­ter op­ti­ma­ler Aus­las­tung sei­ner Pra­xis we­nigs­tens das Durch­schnitts­ho­no­rar der Ver­gleichs­arzt­grup­pe er­reicht.

Mit die­ser Aus­sicht kön­nen wir uns auch über Er­hö­hun­gen der Arzt­ho­no­ra­re mit­freu­en. Die ca. 1.100 neu­en Sit­ze sol­len zu­sätz­lich 70100 Mio. € kos­ten. Die­se Stei­ge­rung bleibt den KVen in Zu­kunft er­spart. Wenn sich nach ca. 4 Jah­ren her­aus­stellt, dass der An­stieg der psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Leis­tun­gen nicht mehr über­durch­schnitt­lich ist, soll ei­ne Rück­bud­ge­tie­rung ge­prüft wer­den. Wenn al­so bis da­hin ei­ne ge­wis­se Sta­bi­li­tät der Zu­wäch­se er­reicht ist, wä­re die­se Maß­nah­me nicht grund­sätz­lich ab­zu­leh­nen, da sie auch den des­in­te­gra­ti­ven Cha­rak­ter der Aus­bud­ge­tie­rung auf­he­ben wür­de.

Die ex­tra­bud­ge­tä­re Ver­gü­tung der von al­len Arzt­grup­pen (!) er­brach­ten Psy­cho­the­ra­pieleis­tun­gen ab 2013 hat zur Fol­ge, dass das Geld für die­se Leis­tun­gen bei der Bil­dung der mor­bi­di­täts­ori­en­tier­ten Ge­samt­ver­gü­tung be­rei­nigt, d.h. ab­ge­zo­gen wer­den muss. Die Mor­bi-Ge­samt­ver­gü­tung re­du­ziert sich al­so um den Be­trag der nun ex­tra­bud­ge­tä­ren Ver­gü­tung.

Der Be­schluss des er­wei­ter­ten Be­wer­tungs­aus­schus­ses vom 9.10.2012, die ge­neh­mi­gungs­pflich­ti­gen psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Leis­tun­gen ein­schließ­lich der pro­ba­to­ri­schen Sit­zun­gen ex­tra­bud­ge­tär zu ver­gü­ten, scheint im Lich­te der zu­rück­lie­gen­den Er­eig­nis­se ei­ne Kom­pro­miss­lö­sung zu sein, die al­le be­trof­fe­nen Fach­grup­pen, Fachärz­te und Psy­cho­the­ra­peu­ten zu­frie­den­stel­len könn­te, da der Zu­wachs von Psy­cho­the­ra­pieleis­tun­gen nun di­rekt von den Kran­ken­kas­sen zu fi­nan­zie­ren ist.

Die­se wer­den ein zu­neh­men­des In­ter­es­se ent­wi­ckeln, die Leis­tungs­men­gen künf­tig zu steu­ern und die Aus­wei­tun­gen mög­lichst ein­zu­däm­men. Mit die­sem Be­schluss der ex­tra­bud­ge­tä­ren Ver­gü­tung ist da­her die Maß­ga­be ver­knüpft wor­den, dass sich nur 1.100 neue Psy­cho­the­ra­peu­ten durch die ge­setz­li­che vor­ge­schrie­be­ne Än­de­rung der Be­darfs­pla­nung nie­der­las­sen kön­nen. Au­ßer­dem ha­ben sich die KBV und die Kas­sen auf ei­ne For­mu­lie­rung ge­ei­nigt, dass sie im GBA dar­auf hin­wir­ken wol­len, dass die Richt­li­ni­en­psy­cho­the­ra­pie „wei­ter­ent­wi­ckelt“ wird.

Hier ver­ste­hen die Ak­teu­re im Ge­sund­heits­we­sen et­was un­ter­schied­li­ches: Wäh­rend es den Kran­ken­kas­sen zu­vor­derst um Ein­spar­po­ten­tia­le ge­hen wird, geht es den Psy­cho­the­ra­peu­ten dar­um, dass ei­ne zeit­na­he Erst­ver­sor­gung und ei­ne Re­zi­div­pro­phy­la­xe als Grund­ver­sor­gung mit Psy­cho­the­ra­pie in die Psy­cho­the­ra­pie­richt­li­ni­en auf­ge­nom­men wer­den soll­te. Die ex­tra­bud­ge­tä­re Ver­gü­tung psy­cho­the­ra­peu­ti­scher Leis­tun­gen könn­te sich dann als Pyr­rhus­sieg er­wei­sen, wenn dies so in­ter­pre­tiert wür­de, die ana­ly­ti­sche Psy­cho­the­ra­pie zu be­schnei­den.

Nun ist aber der GBA ein un­ab­hän­gi­ges Gre­mi­um. Bis jetzt hat er sich stark ge­macht für ei­ne nach­ge­wie­sen fach­lich ge­bo­te­ne und wis­sen­schaft­lich be­währ­te psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Ver­sor­gung. Ein­grif­fe auf Zu­ruf von fa­chun­kun­di­gen Funk­tio­nären und Ent­schei­dungs­trä­gern der KBV und der Kran­ken­kas­sen ha­ben bis jetzt nicht statt­ge­fun­den. Ein er­staun­li­ches Bei­spiel für Un­kennt­nis psy­cho­the­ra­peu­ti­scher Ar­beits­rea­li­tät ist die Äu­ße­rung des neu­en Vor­sit­zen­den des GBA, Herrn He­cken, dass es Psy­cho­the­ra­peu­ten ge­ben wür­de, die nur 30 Pa­ti­en­ten im Jahr be­han­deln wür­den.

Ver­mut­lich hat er ty­pi­sche Arzt­pra­xen mit 1000 und mehr Schei­nen vor sei­nem in­ne­ren Au­ge, wenn er das so em­pört fest­stellt. Am 22.10.2012 wird der er­wei­ter­te Be­wer­tungs­aus­schuss auf­grund der be­schlos­se­nen Eck­punk­te de­tail­lier­te Be­schlüs­se fas­sen und die ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Grün­de ab­stim­men. Der BVVP wird Sie über den Newslet­ter über die wei­te­ren Ent­wick­lun­gen ak­tu­ell auf dem Lau­fen­den hal­ten. Ab An­fang De­zem­ber kön­nen Sie sich zu die­sem The­ma auch im dann er­schei­nen­den Heft 4/12 des BVVP-Ma­ga­zins „Pro­jekt Psy­cho­the­ra­pie“ aus ers­ter Hand in­for­mie­ren.

Quel­le: Ti­lo Sil­we­del, BVVP, 20.10.12

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