VVPN – Verband der Vertragspsychotherapeuten Nordbaden

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bvvp-Mitgliederinformation: Neunte Änderungsverordnung Bundesbeihilfe in Kraft

Lie­be Kol­le­gin­nen und lie­be Kol­le­gen,

be­reits am 9. De­zem­ber 2020 wur­de die Neun­te Ver­ord­nung zur Än­de­rung der Bun­des­bei­hil­fe­ver­ord­nung (BB­hV) im Bun­des­ge­setz­blatt ver­kün­det und seit dem 1. Ja­nu­ar 2021 ist sie in Kraft. Dar­in fin­den sich wich­ti­ge Neue­run­gen und Kon­kre­ti­sie­run­gen zur Er­stat­tungs­fä­hig­keit und so­mit zur Gel­tend­ma­chung von Bei­hil­fe­leis­tun­gen. Für die psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Leis­tun­gen der Bei­hil­fe wur­den ei­ni­ge Re­ge­lun­gen der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung end­lich über­nom­men.

Da­bei han­delt es sich um fol­gen­de Re­ge­lun­gen:

  1. 1. Ein­füh­rung ei­ner psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Akut­be­hand­lung (§ 18 Abs. 2):

Mit 51 Eu­ro für ei­ne psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Akut­be­hand­lung wird der Be­trag fest­ge­legt, den die Bei­hil­fe für die Auf­wen­dun­gen über­nimmt. Sie ist als Ein­zel­be­hand­lung in Ein­hei­ten von min­des­tens 25 Mi­nu­ten bis zu 24-mal je Krank­heits­fall bei­hil­fe­fä­hig. Für Per­so­nen, die das 21. Le­bens­jahr noch nicht vollen­det ha­ben und Per­so­nen mit geis­ti­ger Be­hin­de­rung sind bis zu 30 Be­hand­lun­gen un­ter Ein­be­zie­hung von Be­zugs­per­so­nen bei­hil­fe­fä­hig. Ei­ne Akut­be­hand­lung kann nicht gleich­zei­tig mit an­de­ren The­ra­pie­for­men durch­ge­führt wer­den. Durch­ge­führ­te Akut­be­hand­lun­gen wer­den auf das Kon­tin­gent an­de­rer Psy­cho­the­ra­pi­en an­ge­rech­net.

Der­zeit ist al­ler­dings un­klar, wel­che GOÄ-Num­mer zur Ab­rech­nung der Akut­be­hand­lung her­an­zu­zie­hen ist. Wir wer­den Sie so bald wie mög­lich in­for­mie­ren. Je­den­falls gilt hier nun end­lich die­sel­be Ver­gü­tung für al­le The­ra­pie­ver­fah­ren.

  1. 2. Ein­füh­rung ei­ner Kurz­zeit­the­ra­pie oh­ne Ge­neh­mi­gungs- und Gut­ach­ter­ver­fah­ren
    (§ 18a Abs. 6):

Bei der Bei­hil­fe­fä­hig­keit von Kurz­zeit­the­ra­pi­en gilt: Bis zu 24 Sit­zun­gen als Ein­zel- oder Grup­pen­be­hand­lung kön­nen oh­ne Ge­neh­mi­gung durch die Fest­set­zungs­stel­le und oh­ne Gut­ach­ter­ver­fah­ren in An­spruch ge­nom­men wer­den. Bei fort­dau­ern­der Be­hand­lung sind die­se Sit­zun­gen auf ei­ne spä­te­re ge­neh­mi­gungs­pflich­ti­ge Psy­cho­the­ra­pie nach den §§ 19 bis 20a an­zu­rech­nen. Ge­nau­so wer­den er­brach­te Sit­zun­gen im Rah­men der psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Akut­be­hand­lung mit der An­zahl der Sit­zun­gen der Kurz­zeit­the­ra­pie ver­rech­net.

Ach­tung: Ein „Krank­heits­fall“ um­fasst die auf ei­ner ver­bin­den­den Dia­gno­se be­ru­hen­de und im We­sent­li­chen ei­ner ein­heit­li­chen Ziel­set­zung die­nen­de Psy­cho­the­ra­pie in ei­ner aku­ten Krank­heits­pe­ri­ode.

Für die KZT gibt es kei­ne neu­en Ge­büh­ren­ord­nungs­po­si­tio­nen. Wir ge­hen da­von aus, dass Sie hier die GOÄ / GOP Zif­fer neh­men müs­sen wie bei der LZT. Die­se gilt auch schon im­mer für die Pro­ba­to­rik. Soll­te es hier Än­de­run­gen ge­ben, wer­den wir Sie in­for­mie­ren.

  1. 3. Ein­füh­rung der Sys­te­mi­schen The­ra­pie (§ 20a)

Die Sys­te­mi­sche The­ra­pie ist ein psy­cho­the­ra­peu­ti­sches Ver­fah­ren, des­sen Schwer­punkt auf dem so­zia­len Kon­text psy­chi­scher Stö­run­gen, ins­be­son­de­re auf In­ter­ak­tio­nen zwi­schen Fa­mi­li­en­mit­glie­dern und de­ren so­zia­ler Um­welt liegt. Vor Be­ginn der Be­hand­lung ist die Bei­hil­fe­fä­hig­keit durch die Fest­set­zungs­stel­le auf­grund ei­nes Gut­ach­tens an­zu­er­ken­nen.

Bei­hil­fe­fä­hig sind im Re­gel­fall 36 Sit­zun­gen, in Aus­nah­me­fäl­len wei­te­re 12 Sit­zun­gen. In der An­la­ge 3 zur BB­hV, Ab­schnitt 5 sind die Qua­li­fi­ka­ti­ons­vor­aus­set­zun­gen für die Psy­cho­the­ra­peut*in­nen auf­ge­führt.

Bei­hil­fe­recht nicht bun­des­ein­heit­lich ge­re­gelt

In Bund und Län­dern be­ste­hen bei der Bei­hil­fe un­ter­schied­li­che Re­ge­lun­gen. Zwar ori­en­tie­ren sich vie­le Län­der an den Bei­hil­fe­vor­schrif­ten des Bun­des (BB­hV), den­noch gibt es teil­wei­se er­heb­li­che Ab­wei­chun­gen.

Un­mit­tel­bar an­ge­wandt wird die Bei­hil­fe­ver­ord­nung des Bun­des in Bay­ern, Ber­lin, Bran­den­burg, Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Nie­der­sach­sen, Sach­sen, Sach­sen-An­halt, Schles­wig-Hol­stein und Thü­rin­gen.

Die Län­der Ba­den-Würt­tem­berg, Saar­land und Ham­burg ha­ben zwar ei­ge­ne Bei­hil­fe­vor­schrif­ten, den­noch ori­en­tie­ren sich auch dort vie­le Re­ge­lun­gen an den Vor­schrif­ten des Bun­des.

In den Län­dern Bre­men, Hes­sen, Nord­rhein-West­fa­len und Rhein­land-Pfalz sind die Un­ter­schie­de stär­ker. Dort gel­ten ei­gen­stän­di­ge Re­ge­lun­gen, die über­wie­gend als Rechts­ver­ord­nun­gen er­las­sen wor­den sind.

Bit­te er­kun­di­gen Sie sich ge­ge­be­nen­falls bei der Bei­hil­fe­stel­le Ih­res Lan­des, ob die Re­ge­lun­gen dort gül­tig sind.

Links

htt­ps://www.bva.bund.de/Sha­red­Docs/Kurz­mel­dun­gen/DE/Bun­des­be­diens­te­te/Ge­sund­heit-Vor­sor­ge/Bei­hil­fe/2020/Neun­te_Aen­de­rungs­ver­ord­nung.html

htt­ps://www.bva.bund.de/Sha­red­Docs/Dow­n­loads/DE/Bun­des­be­diens­te­te/Ge­sund­heit-Vor­sor­ge/Bei­hil­fe/Rechts­grund­la­gen/bb­hv­wv_2017.pdf?__blob=pu­bli­ca­tion­Fi­le&v=2

http://www.die-bei­hil­fe.de/vor­schrif­ten-zur-bei­hil­fe-in-bund-und-laen­dern

Ein Hin­weis

Fol­gen­des gibt es noch zu be­den­ken: Die Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten be­kom­men die Kos­ten im­mer nur zu ei­nem pro­zen­tua­len Teil er­stat­tet (z.B. 50 % oder 70 %). Für die rest­li­che Sum­me sind sie meis­tens bei ei­nem an­de­ren pri­va­ten Ver­si­che­rungs­trä­ger (z.B. De­Be­Ka, Con­ti­nen­ta­le oder an­de­re) ab­ge­si­chert.

Sie – ge­nau ge­nom­men die Pa­ti­ent*in­nen als Ver­trags­part­ner*in­nen der Ver­si­che­rung(!) - müs­sen al­so mög­lichst vor­ab re­cher­chie­ren, ob auch die an­de­re, den Rest tra­gen­de Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft Re­geln zur Akut­be­hand­lung / KZT und / oder Sys­te­mi­schen Psy­cho­the­ra­pie ab­deckt. Ein Ver­weis auf die­se neu­en Bei­hil­fe­re­geln kann hel­fen, dass auch die Kos­ten für die Rest­sum­me über­nom­men wer­den.

Fa­zit

Der bvvp ist sich im Kla­ren dar­über, dass die­se Ho­no­rie­run­gen beim 2,3-fa­chen Stan­dard­satz (und ein hö­he­rer Stei­ge­rungs­satz ist schwer zu be­grün­den) ab­so­lut zu nied­rig sind. Die Be­zah­lung der ent­spre­chen­den GKV-Leis­tun­gen ist er­heb­lich hö­her, be­rück­sich­tigt man die neu­en KZT-Zu­schlä­ge und auch die aus­las­tungs­ab­hän­gi­gen Struk­tur­zu­schlä­ge.

Wir ha­ben schon seit Jah­ren und mehr­fach das BMG und auch Herrn Spahn selbst auf die­se Schief­la­ge auf­merk­sam ge­macht. Ak­tu­ell kön­nen wir nicht wirk­lich dar­auf hof­fen, dass in der neu­en Le­gis­la­tur­pe­ri­ode die Re­gie­rung sich ei­ne neue GOÄ zü­gig vor­nimmt, ob­wohl de­ren Ent­wurf vor­liegt. Es wird al­so vor­aus­sicht­lich auch wei­ter­hin – un­ter Ho­no­ra­ra­spek­ten- nicht be­son­ders at­trak­tiv sein, Pri­vat­pa­ti­ent*in­nen zu be­han­deln.

Wei­te­re Hin­wei­se zur GOÄ bzw. GOP fin­den Sie im hin­te­ren Teil des grü­nen EBM In­fo Pa­kets Plus, das Ih­nen im Ju­ni 2020 per Post zu­ging. Vor­aus­sicht­lich im Ju­ni die­ses Jah­res er­scheint ei­ne ak­tua­li­sier­te Auf­la­ge.

Für den bvvp

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