VVPN – Verband der Vertragspsychotherapeuten Nordbaden

Mitglied im BVVP Baden-Württemberg und BVVP Bundesverband

Honorare

Keine Verbesserung der Honorarsituation der niedergelassenen Psychotherapeuten

Kri­tisch be­ur­tei­len die bei­den Ver­bän­de je­doch, dass sich Kas­sen und KBV-Ver­tre­ter dar­auf ge­ei­nigt ha­ben, den Zu­wachs­be­darf auf 1150 neue Ver­sor­gungs­sit­ze zu be­gren­zen. Der GBA ist nun auf­ge­for­dert, die Ver­hält­nis­zah­len (Ein­woh­ner/Psy­cho­the­ra­peut) so zu de­fi­nie­ren, dass ei­ne Ver­bes­se­rung der Ver­sor­gung ins­be­son­de­re in mas­siv un­ter­ver­sorg­ten Ge­bie­ten ge­währ­leis­tet wird.

Der Zu­wachs wird je­doch nicht aus­rei­chen, um die War­te­zei­ten auf ei­ne am­bu­lan­te Psy­cho­the­ra­pie flä­chen­de­ckend auf ein ak­zep­ta­bles Ni­veau zu brin­gen. Die ge­setz­lich mög­li­che „Ein­zie­hung“ von Zu­las­sungs­sit­zen ver­bie­tet sich da­her nach Mei­nung der bei­den Psy­cho­the­ra­peu­ten­ver­tre­ter.

Gleich­zei­tig war­nen die bei­den Ver­bän­de vor dem auf po­li­ti­scher Büh­ne ab­ge­spro­che­nen Kop­pe­lungs­ge­schäft, das dar­auf ab­zielt, das für die Neu­zu­las­sun­gen not­wen­di­ge Ho­no­rar­vo­lu­men durch Ein­spa­run­gen an be­währ­ten, me­di­zi­nisch not­wen­di­gen The­ra­pie­an­ge­bo­ten ge­gen zu fi­nan­zie­ren.

Ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung der Psy­cho­the­ra­pie­richt­li­ni­en im Sin­ne von Ver­sor­gungs­ver­bes­se­run­gen wird be­grüßt, Ver­än­de­run­gen mit Be­hand­lungs­ein­schrän­kun­gen aber ent­schie­den ab­ge­lehnt. Die jetzt ge­trof­fe­nen Ho­no­rar­ver­ein­ba­run­gen zwi­schen der KBV und dem GKV-Spit­zen­ver­band än­dern aber nichts an der pre­kä­ren fi­nan­zi­el­len La­ge der nie­der­ge­las­se­nen Psy­cho­the­ra­peu­ten.

Die An­he­bung von 0,9% be­wirkt für ei­ne durch­schnitt­li­che Pra­xis ei­ne An­he­bung des Um­sat­zes pro Mo­nat um ca. 50 €. Dies ist die ers­te und ein­zi­ge An­he­bung seit 4 Jah­ren. An­ge­sichts ei­ner Gel­dent­wer­tung von jähr­lich ca. 2% ist dies ein mas­si­ver rea­ler Ein­kom­mens­ver­lust. Für das Ein­kom­men der Psy­cho­the­ra­peu­ten ent­schei­dend ist das Ho­no­rar pro Zeit­ein­heit.

Z.B. dau­ert ei­ne Psy­cho­the­ra­pie­sit­zung ein­schließ­lich Vor- und Nach­be­rei­tung 60 Mi­nu­ten. Ei­ne Be­hand­lungs­sit­zung kann im Ge­gen­satz zu Leis­tun­gen der so­ma­ti­schen Me­di­zin we­der schnel­ler, mit ei­ner Stei­ge­rung der Leis­tungs­men­ge pro Zeit­ein­heit er­bracht, noch de­le­giert wer­den.

Die­se Zu­wen­dungs­leis­tung kann nicht durch Ap­pa­ra­te "ren­ta­bler" ge­macht wer­den. In der Psy­cho­the­ra­pie ent­fällt auch we­gen der not­wen­di­gen Kon­stanz der per­sön­li­chen Be­hand­lungs­be­zie­hung die Mög­lich­keit, im Krank­heits­fall, bei Fort­bil­dungs- oder Ur­laubs­ab­we­sen­heit einen Ver­tre­ter zu be­stel­len. Psy­cho­the­ra­peu­ten pro­fi­tie­ren des­halb nicht von der Zu­nah­me der Men­ge der ab­re­chen­ba­ren Leis­tun­gen, wie sie in den jähr­li­chen Ge­samt­ver­gü­tungs­ver­hand­lun­gen zwi­schen KVen und Kran­ken­kas­sen ver­ein­bart wer­den.

Die Psy­cho­the­ra­peu­ten lie­gen wei­ter­hin weit ab­ge­schla­gen an der un­ters­ten Stel­le der ärzt­li­chen Ein­kom­men. Sie ver­die­nen bei ver­gleich­ba­rer Ar­beits­zeit im Durch­schnitt et­wa die Hälf­te al­ler an­de­ren Arzt­grup­pen und et­wa ein Drit­tel bis ein Vier­tel im Ver­gleich zu den spe­zia­li­sier­ten In­ter­nis­ten.

Seit der Ho­no­rar­re­form 2009 geht die Sche­re zwi­schen den ärzt­lich­so­ma­ti­schen Ein­kom­men und den Ein­kom­men der Psy­cho­the­ra­peu­ten ste­tig aus­ein­an­der. Wäh­rend die Über­schüs­se der Ärz­te vom 1. Halb­jahr 2010 zum 1. Halb­jahr 2011 um 3% ge­stie­gen sind, sind sie bei den Psy­cho­the­ra­peu­ten so­gar um 0,4% ge­fal­len.

Nach den An­ga­ben des Zen­tral­in­sti­tuts der KBV be­trägt das durch­schnitt­li­che mo­nat­li­che Net­to­ein­kom­men der Psy­cho­the­ra­peu­ten 2.658 Eu­ro im Ver­gleich zu 5.442 Eu­ro bei al­len Ärz­ten. Dies geht bei den Psy­cho­the­ra­peu­ten zu Las­ten der Pra­xis­aus­stat­tung, der Fort­bil­dun­gen, der pri­va­ten Le­bens­füh­rung und der Al­ters­vor­sor­ge.

Die Selbst­ver­wal­tung der Ärz­te und Kran­ken­kas­sen war bis­her nicht wil­lens und nicht in der La­ge, die gra­vie­ren­den Ein­kom­mens­un­ter­schie­de zu be­he­ben. Aus die­sem Grund muss­te das Bun­des­so­zi­al­ge­richt seit 1999 in meh­re­ren Ur­tei­len den Psy­cho­the­ra­peu­ten ein Min­dest­ho­no­rar zu­ge­ste­hen. Es ist nicht län­ger zu­mut­bar, dass Psy­cho­the­ra­peu­ten ih­ren An­spruch auf ei­ne an­ge­mes­se­ne Ver­gü­tung wei­ter­hin über jah­re­lan­ge ge­richt­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen ein­kla­gen müs­sen.

Die bei­den Psy­cho­the­ra­peu­ten­ver­bän­de for­dern den Ge­setz­ge­ber auf, die bis­her nur all­ge­mein ge­hal­te­ne ge­setz­li­che Be­stim­mung zur an­ge­mes­se­nen Ver­gü­tung der psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Leis­tun­gen in § 87 Abs. 2b SGB V so zu kon­kre­ti­sie­ren, dass Psy­cho­the­ra­peu­ten bei glei­chem Ar­beitseinsatz ein Ein­kom­men er­zie­len kön­nen wie je­der im fach­ärzt­li­chen Ver­sor­gungs­be­reich tä­ti­ge Ver­trags­arzt.

Da nach den bis­he­ri­gen Er­fah­run­gen nicht da­von aus­zu­ge­hen ist, dass der Be­wer­tungs­aus­schuss die Ho­no­ra­ran­pas­sun­gen von sich aus in re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den vor­nimmt, muss ei­ne jähr­li­che Über­prü­fung ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben wer­den. Ei­ne sol­che ist seit An­fang 2011 für die Jah­re 2010 bis 2013 längst über­fäl­lig.

Quel­le: Jür­gen Do­ebert, BVVP und Die­ter Best, DPtV, 23.10.12

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