VVPN – Verband der Vertragspsychotherapeuten Nordbaden

Mitglied im BVVP Baden-Württemberg und BVVP Bundesverband

Verband

bvvp-Expertentelefon zum Thema "Neue Komplexrichtlinie und Verordnungsbefugnisse" am 19.10.2021 von 19 bis 21 Uhr mit Ulrike Böker und Angelika Haun.

Vor we­ni­gen Wo­chen erst wur­de die neue „Richt­li­nie über die be­rufs­grup­pen­über­grei­fen­de, ko­or­di­nier­te und struk­tu­rier­te Ver­sor­gung, ins­be­son­de­re für schwer psy­chisch kran­ke Ver­si­cher­te mit kom­ple­xem psych­ia­tri­schen oder psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Be­hand­lungs­be­darf“ (kurz: Kom­plex­richt­li­nie) ver­ab­schie­det. In die­sem Rah­men wer­den die Ver­sor­gungs­be­fug­nis­se in Zu­kunft ei­ne tra­gen­de Rol­le spie­len. Von der Kran­ken­haus­ein­wei­sung über die Ver­ord­nung von Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­be­hand­lun­gen, So­zio- und Er­go­the­ra­pie so­wie psych­ia­tri­scher häus­li­cher Kran­ken­pfle­ge gibt es vie­le Re­ge­lun­gen und na­tür­lich Aus­nah­me­fäl­le. Ei­ni­ge po­ten­ti­el­le Fra­gen be­ant­wor­ten wir Ih­nen hier vor­ab.

Wei­te­re Fra­gen be­ant­wor­ten un­se­re Ex­per­tin­nen am kom­men­den Diens­tag ger­ne per­sön­lich am Ex­per­ten­te­le­fon. Ru­fen Sie an un­ter: *49 (0) 30 - 62 93 98 93.

1. Ab wann star­tet denn die neue Richt­li­nie?

Im Mo­ment liegt die Richt­li­nie beim Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ge­sund­heit zur Prü­fung. Nach In­kraft­tre­ten muss sich der Be­wer­tungs­aus­schuss mit den neu­en EBM-Zif­fern wie Ko­ope­ra­ti­on und Ko­or­di­na­ti­on und de­ren Be­wer­tung be­fas­sen. Es hat da­für 6 Mo­na­te Zeit. Vor Mit­te 2022 geht es al­so auf gar kei­nen Fall los.

2. Ich ha­be ge­hört, dass ich mit ei­nem hal­b­en Ver­sor­gungs­auf­trag gar nicht teil­neh­men kann. Stimmt das?

Der Ent­wurf der Richt­li­nie sieht vor, dass hal­be Sit­ze zwar teil­neh­men, aber nicht die Rol­le der Be­zugs­the­ra­peu­tin, des Be­zugs­the­ra­peu­ten über­neh­men kön­nen. Wir hal­ten das für nicht sach­ge­recht und hof­fen, dass das BMG ei­ne Nach­bes­se­rung an­ord­net.

3. Die neue Ver­sor­gung soll ja in re­gio­na­len Net­zen statt­fin­den, die aus min­des­tens 10 Psy­cho­the­ra­peut*in­nen und P-Fachärzt*in­nen be­ste­hen müs­sen. Wie wird denn so ein Netz ge­bil­det, in dem dann die Pa­ti­ent*in­nen be­han­delt wer­den sol­len?

Es müs­sen sich da­für Nie­der­ge­las­se­ne vor Ort zu­sam­menschlie­ßen und das Netz dann bei der zu­stän­di­gen KV ge­neh­mi­gen las­sen. Wie das ganz prak­tisch von stat­ten ge­hen kann, das wird in der nächs­ten Zeit über­legt wer­den. Auch wird es dann Mus­ter­ver­trä­ge für die Net­ze und ih­re Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner ge­ben. Der bvvp wird im­mer ak­tu­ell in­for­mie­ren und auch Ver­an­stal­tun­gen da­zu an­bie­ten.

  1. 4. Wann darf ich als Psy­cho­the­ra­peut*in ei­ne Kran­ken­h­aus­be­hand­lung an­ord­nen?

Psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peut*in­nen und Kin­der- und Ju­gend­li­chen­psy­cho­the­ra­peut*in­nen dür­fen nur auf­grund psy­chi­scher Er­kran­kun­gen oder Ver­hal­tens­stö­run­gen ge­mäß §26 der Psy­cho­the­ra­pie­richt­li­nie ei­ne Kran­ken­h­aus­be­hand­lung an­ord­nen. Bei al­len üb­ri­gen In­di­ka­tio­nen aus Ka­pi­tel V des ICD-10 ist ei­ne Ab­stim­mung mit dem mit­be­han­deln­den Arzt er­for­der­lich. Ge­ne­rell sind Sie je­doch vor Ein­wei­sung ver­pflich­tet, die Mög­lich­kei­ten der am­bu­lan­ten Be­hand­lung zu prü­fen: Es gilt „am­bu­lant vor sta­tio­när“.

Für Ärzt*in­nen steht das ge­sam­te In­di­ka­ti­onss­pek­trum zur Ver­fü­gung.

  1. 5. Darf ich als PP oder KJP ei­ne me­di­zi­ni­sche Re­ha­bi­li­ta­ti­on zu­las­ten der Ren­ten­ver­si­che­rung ver­ord­nen?

Nein. Ei­ne Ver­ord­nung zu­las­ten der Kran­ken­kas­se ist im SGB V ver­an­kert, nicht aber zu­las­ten der Ren­ten­ver­si­che­rung. In die­sem Rah­men kön­nen Sie die Re­ha­bi­li­ta­ti­on ver­an­las­sen, aber nicht selbst ver­ord­nen. Für Ärzt*in­nen gilt: Sie kön­nen auch zu Las­ten der Ren­ten­ver­si­che­rung Bund ver­ord­nen, soll­ten sich aber auf ihr fach­ge­bun­de­nes In­di­ka­ti­onss­pek­trum be­schrän­ken, da­mit der An­trag ernst ge­nom­men wird.

  1. 6. Wel­che Vor­aus­set­zun­gen müs­sen er­füllt sein, um So­zio­the­ra­pie zu ver­ord­nen?

Pa­ti­ent*in­nen mit schwer­wie­gen­den psy­chi­schen Er­kran­kun­gen aus dem schi­zo­phre­nen For­men­kreis und der Grup­pe der af­fek­ti­ven Stö­run­gen mit psy­cho­ti­schen Sym­pto­men, de­ren Fä­hig­kei­ten und Funk­tio­nen nach GAF-Ska­la maß­geb­lich be­ein­träch­tigt sind, fal­len in die Ziel­grup­pe der Re­gel­ver­sor­gung durch So­zio­the­ra­pie. Aber auch in an­de­ren Ein­zel­fäl­len, un­ter an­de­rem wenn es sich um einen schwe­ren, chro­ni­fi­zier­ten Ver­lauf han­delt oder wenn re­le­van­te Co-Mor­bi­di­tä­ten be­ste­hen, kann So­zio­the­ra­pie ver­ord­net wer­den. Ent­schei­dend ist, dass der GAF-Wert nicht hö­her als 50 lie­gen soll, bei den be­grün­de­ten Ein­zel­fäl­len un­ter­halb von 40.

  1. 7. Wie setzt sich der Leis­tungs­um­fang für die Er­go­the­ra­pie-Ver­ord­nung zu­sam­men?

Die Höchst­men­ge je Ver­ord­nung be­trägt in der Re­gel zehn Be­hand­lungs­ein­hei­ten. Zur Fest­le­gung der Ge­samt­men­ge ist je­weils ei­ne ori­en­tie­ren­de Be­hand­lungs­men­ge an­ge­ge­ben: In der Dia­gno­se­grup­pe EN1 er­hal­ten Kin­der- und Ju­gend­li­che 60 Ein­hei­ten und Er­wach­se­ne 40. In den Grup­pen PS1 bis PS4 gibt es 40 Ein­hei­ten. Neu ist, dass der G-BA die Höchst­men­ge je Ver­ord­nung von zehn auf 20 Ein­hei­ten für die Dia­gno­se­grup­pen PS2 und 3 an­ge­ho­ben hat.

Was im­mer Sie wis­sen wol­len zu den un­ter­schied­li­chen The­men der Ver­ord­nungs­be­fug­nis­se in der Psy­cho­the­ra­pie, wir freu­en uns über Ih­ren An­ruf! Für noch de­tail­lier­te­re In­for­ma­tio­nen be­ach­ten Sie bit­te auch un­se­re In­fo-Bro­schü­re „Ver­ord­nungs­be­fug­nis­se für Psy­cho­the­ra­peut*in­nen“, die be­reits in Druck ist und die Sie jetzt be­reits un­ter die­sem Link be­stel­len kön­nen: htt­ps://t1p.de/ux1u

Bit­te be­ach­ten Sie:

Nen­nen Sie in Ih­rem An­ruf in al­ler Kür­ze das The­ma Ih­rer Fra­ge, au­ßer­dem Ih­re Te­le­fon­num­mer und mög­lichst auch Ih­re Mail­adres­se. Ein Hin­weis noch: Ih­re An­ru­fe wer­den auf­ge­zeich­net und dann ab­ge­ar­bei­tet. Spre­chen Sie lang­sam und deut­lich und ru­fen Sie bit­te auf kei­nen Fall mehr­mals an. Wir ver­spre­chen es: Al­le An­ru­fer*in­nen er­hal­ten ga­ran­tiert Nach­richt von un­se­ren Ex­pert*in­nen!

Ihr Bun­des­vor­stand

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