VVPN – Verband der Vertragspsychotherapeuten Nordbaden

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bvvp-Mitgliederinfo: Maßnahmen zur weiteren Förderung der Gruppenpsychotherapie

Lie­be Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen,

im Ge­setz zur Re­form der Psy­cho­the­ra­peu­ten­aus­bil­dung hat­te der Ge­setz­ge­ber den Ge­mein­sa­men Bun­des­aus­schuss G-BA da­mit be­auf­tragt, bis zum 31. De­zem­ber 2020 Re­ge­lun­gen zur wei­te­ren För­de­rung der Grup­pen­psy­cho­the­ra­pie und zur wei­te­ren Ver­ein­fa­chung des Gut­ach­ter­ver­fah­rens zu be­schlie­ßen.

Am 20. No­vem­ber wur­de nun der ent­spre­chen­de Be­schluss ver­ab­schie­det. Im Fol­gen­den fin­den Sie die Er­geb­nis­se.

Die Grup­pen­psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Grund­ver­sor­gung

Die Psy­cho­the­ra­pie-Richt­li­nie wur­de er­gänzt um ein neu­es nie­der­schwel­li­ges Be­hand­lungs­an­ge­bot in der Grup­pe, um Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten für die­ses Set­ting zu mo­ti­vie­ren und Vor­be­hal­te ab­zu­bau­en. Mit die­ser „Grup­pen­psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Grund­ver­sor­gung“ sol­len Pa­ti­en­tIn­nen in der Psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Sprech­stun­de vor Be­ginn der ei­gent­li­chen The­ra­pie Grup­pen­er­fah­rung ma­chen und für sich prü­fen kön­nen, ob ei­ne Grup­pen­the­ra­pie für sie in­fra­ge kommt.

Ne­ben der Ver­mitt­lung von grund­le­gen­den In­hal­ten der am­bu­lan­ten Psy­cho­the­ra­pie – bei­spiels­wei­se von Wis­sen über die ver­schie­de­nen Be­hand­lungs­ver­fah­ren – geht es um ei­ne ers­te Sym­ptom­lin­de­rung und um die Wei­ter­ga­be von In­for­ma­tio­nen über Ar­beits­wei­se und Wirk­me­cha­nis­men, Chan­cen und Nut­zen ei­ner Grup­pen­psy­cho­the­ra­pie. Psy­cho­the­ra­peu­tIn­nen kön­nen über­prü­fen, ob die ent­spre­chen­den Pa­ti­en­tIn­nen vor­aus­sicht­lich kom­pa­ti­bel sind mit Grup­pen­pro­zes­sen und ob sie die In­di­ka­ti­on ge­ge­ben se­hen. Um den nied­rig­schwel­li­gen Zu­gang ab­zu­si­chern, ist für die Psy­cho­the­ra­peu­tIn­nen kein An­zei­ge- oder An­trags­ver­fah­ren ge­gen­über den Kran­ken­kas­sen vor­ge­se­hen. Selbst­ver­ständ­lich kön­nen nur Psy­cho­the­ra­peu­tIn­nen mit Grup­pen­zu­las­sung die­ses An­ge­bot nut­zen.

Über­sicht der Ge­samt-Kon­tin­gen­te:

- Grup­pen­psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Grund­ver­sor­gung: bis zu 4 Ein­hei­ten x 100 Mi­nu­ten (oder 8 x 50 Mi­nu­ten) je Krank­heits­fall mög­lich

- bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen oder bei Men­schen mit geis­ti­ger Be­hin­de­rung und Ein­be­zug von Be­zugs­per­so­nen: bis zu 100 Mi­nu­ten (oder 2 x 50 Mi­nu­ten) je Krank­heits­fall zu­sätz­lich mög­lich

- kei­ne An­rech­nung auf nach­fol­gen­de Kon­tin­gen­te der Richt­li­ni­en-Psy­cho­the­ra­pie

The­ra­pie durch zwei Psy­cho­the­ra­peu­tIn­nen mög­lich

Ei­ne Grup­pen­psy­cho­the­ra­pie kann zu­künf­tig von zwei Psy­cho­the­ra­peu­tIn­nen ge­mein­sam an­ge­bo­ten wer­den. Das kann die er­höh­ten An­for­de­run­gen an das Con­tai­ning und das ge­mein­sa­me Ver­ständ­nis der Grup­pen­pro­zes­se im fach­li­chen Aus­tausch er­leich­tern. Grup­pen kön­nen au­ßer­dem pra­xis­über­grei­fend in ge­eig­ne­ter Grö­ße zu­sam­men­ge­stellt wer­den. Im KJP-Be­reich ist die­se neue Re­ge­lung für den ein­zel­nen Psy­cho­the­ra­peu­ten / die Psy­cho­the­ra­peu­tin und un­ter Um­stän­den auch für die Kin­der ei­ne Ent­las­tung in päd­ago­gisch her­aus­for­dern­den Si­tua­tio­nen.

Grup­pen­grö­ße und Ver­ant­wort­lich­keit

- Grup­pen­grö­ße bei ge­mein­sa­mer Durch­füh­rung: min­des­tens 6 bis zu 14 Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten

- Pro The­ra­peu­tin be­zie­hungs­wei­se The­ra­peut: min­des­tens 3 bis zu 9 Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten

Je­de The­ra­peu­tin und je­der The­ra­peut ist da­bei für „ih­re oder sei­ne“ je­weils fest zu­ge­ord­ne­ten Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten „haupt­ver­ant­wort­lich“, bei­spiels­wei­se für die schrift­li­che Do­ku­men­ta­ti­on.

Nicht vor­ge­se­hen sind ver­fah­rens­über­grei­fen­de Grup­pen!

Pro­ba­to­ri­sche Sit­zun­gen in der Grup­pe

Pro­ba­to­ri­sche Sit­zun­gen wer­den in Zu­kunft auch in der Grup­pe mög­lich sein, wenn zu­vor min­des­tens zwei Sit­zun­gen im Ein­zel­kon­takt statt­ge­fun­den ha­ben, sprich in der Re­gel min­des­tens ei­ne Psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Sprech­stun­de und ei­ne pro­ba­to­ri­sche Sit­zung. Wenn zu­vor kei­ne Sprech­stun­de durch­ge­führt wur­de (weil Pa­ti­en­tIn­nen zum Bei­spiel aus der Kli­nik ka­men), müs­sen zwei pro­ba­to­ri­sche Sit­zun­gen im Ein­zel­set­ting er­fol­gen.

Über­sicht der Ge­samt-Kon­tin­gen­te:

- Pro­ba­to­ri­sche Sit­zun­gen bei Er­wach­se­nen: ins­ge­samt bis zu 4 The­ra­pie­ein­hei­ten (TE) je Krank­heits­fall mög­lich, ma­xi­mal 3 TE im Grup­pen­set­ting

- bei der Be­hand­lung von Kin­dern und Ju­gend­li­chen oder von Men­schen mit geis­ti­ger Be­hin­de­rung: ins­ge­samt bis zu 6 The­ra­pie­ein­hei­ten je Krank­heits­fall mög­lich, ma­xi­mal 5 TE im Grup­pen­set­ting

Hal­bier­te Grup­pen­sit­zun­gen in al­len Ver­fah­ren

Auch bei der Ana­ly­ti­schen Grup­pen­psy­cho­the­ra­pie wer­den zu­künf­tig Ein­hei­ten von 50 Mi­nu­ten mög­lich sein.

Die Kom­bi­na­ti­ons­the­ra­pie

An­trä­ge auf ei­ne Kom­bi­na­ti­ons­the­ra­pie wer­den künf­tig nicht mehr re­gel­haft be­gut­ach­tet, wenn mehr als die Hälf­te der The­ra­pie­ein­hei­ten im Grup­pen­set­ting durch­ge­führt wer­den. Sie wer­den al­so be­han­delt wie An­trä­ge auf ei­ne rei­ne Grup­pen­psy­cho­the­ra­pie. Je­doch kann ei­ne Be­gut­ach­tung in Ein­zel­fäl­len auch in der Grup­pen­the­ra­pie oder in der Kom­bi­na­ti­ons­be­hand­lung aus Ein­zel- und Grup­pen­the­ra­pie im Rah­men der vor­ge­zo­ge­nen Wirt­schaft­lich­keits­prü­fung von der Kran­ken­kas­se ver­langt wer­den. Die­se Be­gut­ach­tung er­folgt dann über das be­kann­te Gut­ach­ter­ver­fah­ren; ein Ein­be­zug des Me­di­zi­ni­schen Diens­tes ist da­mit aus­ge­schlos­sen.

In­kraft­tre­ten

Der Be­schluss zur Än­de­rung der Psy­cho­the­ra­pie-Richt­li­nie tritt nach Nicht­be­an­stan­dung durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ge­sund­heit BMG und Ver­öf­fent­li­chung im Bun­des­an­zei­ger in Kraft. Das BMG hat da­für zwei Mo­na­te Zeit.

Der nächs­te Schritt auf dem Weg zur Frei­ga­be des neu­en An­ge­bots der Grup­pen­psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Grund­ver­sor­gung ist dann die Ver­hand­lung über die Ver­gü­tung im Be­wer­tungs­aus­schuss, da­mit die­se Leis­tun­gen im EBM ab­ge­bil­det wer­den kön­nen. Die­ser hat da­für sechs Mo­na­te Zeit. Erst da­nach steht das An­ge­bot den Pra­xen tat­säch­lich zur Ver­fü­gung, al­so frü­he­s­tens ab Som­mer 2021. Und erst dann wis­sen wir über die Ver­gü­tung Be­scheid!

Auch im bvvp ha­ben wir uns in den ent­spre­chen­den Gre­mi­en für die­se Er­gän­zun­gen ein­ge­setzt und freu­en uns, dass mit den Än­de­run­gen künf­tig die Ver­sor­gung ver­bes­sert wer­den kann und Pra­xen zu­sätz­li­che An­ge­bo­te für ih­re Pa­ti­en­tIn­nen be­reit­hal­ten kön­nen.

Mit kol­le­gia­len Grü­ßen

Ul­ri­ke Bö­ker

Mit­glied des bvvp-Bun­des­vor­stan­des

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