VVPN – Verband der Vertragspsychotherapeuten Nordbaden

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bvvp-PM zum Kabinettsentwurf Digitale-Versorgungs-Gesetz (DVG)

Pres­se­er­klä­rung

bvvp lehnt Öko­no­mi­sie­rung des Ge­sund­heits­we­sens un­ter dem Deck­man­tel an­geb­lich not­wen­di­ger Di­gi­ta­li­sie­rung ent­schie­den ab!

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn hat am 10.07.2019 den Ka­bi­nett­s­ent­wurf ei­nes „Ge­set­zes für ei­ne bes­se­re Ver­sor­gung durch Di­gi­ta­li­sie­rung und In­no­va­ti­on“ (Di­gi­ta­le-Ver­sor­gungs-Ge­setz – DVG) im Bun­des­tag ein­ge­bracht. Durch die Re­ge­lun­gen sol­len tech­ni­sche und struk­tu­rel­le Mög­lich­kei­ten so­wie da­mit ver­bun­de­ne Ver­bes­se­rungs­po­ten­tia­le für die Ver­sor­gung ge­nutzt wer­den.

Der bvvp sieht al­ler­dings das ein­ge­for­der­te ho­he Tem­po der Di­gi­ta­li­sie­rung eben­so mit Sor­ge wie die Be­gren­zung des Re­ge­lungs­vor­ha­bens. So sieht der Ka­bi­nett­s­ent­wurf aus­schließ­lich Re­ge­lun­gen für den Be­reich der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung vor. Der sons­ti­ge Um­gang mit Ge­sund­heits­da­ten wird nicht ge­re­gelt. Da­mit wird der stren­ge So­zi­al- und Ge­sund­heits­da­ten­schutz, der für die Wirt­schaft gilt, in die­sem Sek­tor auf­ge­weicht. Die Selbst­ver­wal­tung wird mehr und mehr ent­mach­tet und ge­setz­li­che Kran­ken­kas­sen zu­neh­mend zu Wirt­schafts­un­ter­neh­men um­ge­stal­tet. Zu­dem blei­ben auch bei die­sem Ge­setz­ent­wurf wei­ter­hin ethi­sche Über­le­gun­gen zum Um­gang mit den Da­ten un­be­rück­sich­tigt. Der bvvp spricht sich ge­gen die­se Vor­ha­ben aus!

Es ist grund­sätz­lich zu be­grü­ßen, dass der Ge­sund­heits­mi­nis­ter die Di­gi­ta­li­sie­rung im Ge­sund­heits­sys­tem re­geln möch­te. Kla­re Re­geln sind hier drin­gend not­wen­dig, und soll­ten schnell um­ge­setzt wer­den, be­vor sich mul­ti­na­tio­na­le Di­gi­tal-Kon­zer­ne die­ses Mark­tes be­mäch­ti­gen.

Der bvvp sieht mit großer Sor­ge, dass Kran­ken­kas­sen, ge­mäß dem Ent­wurf, in Zu­kunft die Mög­lich­keit er­hal­ten sol­len, mit den hoch sen­si­blen Krank­heits­da­ten der Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten Markt­for­schung zu be­trei­ben und de­ren Er­geb­nis­se dann mit der Wirt­schaft tei­len zu kön­nen. Zwar müs­sen laut Ge­set­ze­s­ent­wurf die Da­ten vor der Aus­wer­tung pseud­ony­mi­siert oder an­ony­mi­siert wer­den. Die Er­geb­nis­se der Markt­for­schung an den ei­ge­nen Ver­si­cher­ten kön­nen Kran­ken­kas­sen dann aber mit „Me­di­zin­pro­dukte­her­stel­lern, Start-Ups und Un­ter­neh­men aus dem Be­reich der In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie“ tei­len. Das be­deu­tet: De fac­to kön­nen Un­ter­neh­men, die mit ei­ner Kran­ken­kas­se ko­ope­rie­ren, dann im ge­sam­ten Marktein­füh­rungs­pro­zess ih­rer Pro­duk­te Ver­si­cher­ten­da­ten nut­zen.

Auch der an­ge­streb­ten Ver­mark­tung der auf die­sem We­ge ent­ste­hen­den neu­en Pro­duk­te durch die Kran­ken­kas­sen wird strikt wi­der­spro­chen. Ei­ne Nut­zung der Adress­lis­ten der Ver­si­cher­ten ist auch mit de­ren Zu­stim­mung in­ak­zep­ta­bel. Die Ver­sen­dung von „in­di­vi­dua­li­sier­tem In­for­ma­ti­ons­ma­te­ri­al“, sprich Wer­bung an ge­setz­lich Kran­ken­ver­si­cher­te, muss un­ter­sagt wer­den. Die ge­setz­lich ge­för­der­te Ver­stri­ckung von So­zi­al­sys­tem und Wirt­schaft, der hier Vor­schub ge­leis­tet wird, wird das Ge­sund­heits­sys­tem mit­tel- und lang­fris­tig voll­kom­men kor­rum­pie­ren.

Viel­mehr stel­len sich mit Blick auf die Not­wen­dig­keit der Ver­tei­di­gung ei­nes so­li­da­ri­schen Ge­sund­heits­sys­tems die Fra­gen:

- ob Kran­ken­kas­sen sich mit Mit­teln aus Bei­trags­gel­dern von größ­ten­teils Zwangs­ver­si­cher­ten an Start-ups für die Ent­wick­lung von di­gi­ta­len Ge­sund­heits­an­wen­dun­gen be­tei­li­gen dür­fen und sol­len?

- ob Kran­ken­kas­sen selbst in die Be­hand­lung ein­grei­fen dür­fen, in­dem sie ih­ren Ver­si­cher­ten di­gi­ta­le Ge­sund­heits­an­wen­dun­gen vor­schla­gen / emp­feh­len? Wie weit ist es dann noch, bis ei­ne Emp­feh­lung zur Vor­schrift wird im Sin­ne von ver­pflich­ten­der Mit­wir­kung bei der Ge­sund­wer­dung oder Ge­sun­der­hal­tung? Schon jetzt wer­den Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten bei län­ger­fris­ti­gen Ar­beits­un­fä­hig­keits­zei­ten von ih­ren Kran­ken­kas­sen un­ter Druck ge­setzt, be­stimm­ten Maß­nah­men zu­zu­stim­men, oh­ne dass da­für ei­ne ge­si­cher­te In­di­ka­ti­ons­stel­lung durch die Be­han­deln­den vor­liegt.

- ob ge­setz­li­che Kran­ken­kas­sen mit den Da­ten ih­rer Ver­si­cher­ten Markt­for­schung be­trei­ben dür­fen /sol­len und ih­ren Ver­si­cher­ten ge­zielt Wer­bung zu­kom­men las­sen dür­fen / sol­len?

Al­le die­se Fra­gen müs­sen ent­schie­den mit Nein be­ant­wor­tet wer­den!

Es ist gut, dass die elek­tro­ni­sche Pa­ti­en­ten­ak­te (ePA) auf­grund der deut­li­chen Pro­tes­te aus Ärz­te­schaft und Po­li­tik aus die­sem Ge­setz her­aus­ge­nom­men wur­de. Das er­mög­licht, not­wen­di­ge Da­ten­schutz­re­ge­lun­gen bei der ePA noch nach­zu­bes­sern. Es öff­net zu­dem den Blick für die wei­te­ren weit­rei­chen­den Re­ge­lun­gen im Zu­sam­men­hang mit der Di­gi­ta­li­sie­rung, die viel mehr be­un­ru­hi­gen müs­sen als ei­ne frei­wil­li­ge elek­tro­ni­sche Pa­ti­en­ten­ak­te.

Für den bvvp

Di­pl.-Psych. Be­ne­dikt Wald­herr

1. Vor­sit­zen­der

Ber­lin, 30.07.2019

bvvp e.V. Bun­des­ver­band der Ver­trags­psy­cho­the­ra­peu­ten

Bun­des­ge­schäfts­stel­le

Würt­tem­ber­gi­sche Stra­ße 31, 10707 Ber­lin

Te­le­fon: 030 88725954

Fax: 030 88725953

eMail: bvvp@bvvp.de

www.bvvp.de

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