VVPN – Verband der Vertragspsychotherapeuten Nordbaden

Mitglied im BVVP Baden-Württemberg und BVVP Bundesverband

Weiteres

bvvp-Pressemitteilung: Arbeiten die Psychotherapeuten wirklich zu wenig?

In letz­ter Zeit häu­fen sich Pres­se­mel­dun­gen, dass die Psy­cho­the­ra­peu­ten viel zu we­nig im Rah­men ih­rer Zu­las­sung als Ver­trags­be­hand­ler ar­bei­ten, was so­wohl zu lan­gen War­te­zei­ten als auch zu ei­ner Aus­wei­tung des sog. Kos­ten­er­stat­tungs­ver­fah­rens füh­re, das zur Si­cher­stel­lung der Ver­sor­gung er­satz­wei­se an­ge­wen­det wer­den kann. Die Psy­cho­the­ra­peu­ten wür­den ih­re ver­pflich­ten­de Stun­den­zahl von 36 Pa­ti­en­ten­stun­den als Ver­trags­be­hand­ler pro Wo­che nicht ein­hal­ten, son­dern statt­des­sen lie­ber in Kos­ten­er­stat­tung ab­rech­nen oder Pri­vat­pa­ti­en­ten neh­men, weil sie da mit dem 2,3-3,5 fa­chen Satz der GOÄ/GOP – der pri­va­ten Ge­büh­ren­ord­nung – viel mehr ver­die­nen könn­ten.

Da­zu möch­ten wir fol­gen­des klar­stel­len.

1. Die Psy­cho­the­ra­peu­ten ar­bei­ten im Durch­schnitt nicht we­nig, und es gibt kei­ne Ver­pflich­tung 36 GKV-Pa­ti­en­ten­stun­den ab­zu­leis­ten. Die Set­zung von 36 Wo­chen­stun­den am Pa­ti­en­ten ist ei­ne nor­ma­ti­ve Fest­le­gung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts (BSG) als „ma­xi­ma­le“ Aus­las­tung. Mit die­ser Aus­las­tung soll ein Psy­cho­the­ra­peut min­des­tens das durch­schnitt­li­che Ein­kom­men ei­ner fach­ärzt­li­chen Ver­gleichs­grup­pe er­rei­chen kön­nen. Dies ist aber der­zeit nicht mög­lich, weil der Be­wer­tungs­aus­schuss sei­ner Pflicht der Über­prü­fung der an­ge­mes­se­nen Ver­gü­tung für Psy­cho­the­ra­peu­ten nicht nach­kommt.

2. Ei­ne Aus­las­tung von min­des­tens 36 Pa­ti­en­ten­stun­den pro Wo­che ist in der Re­gel und auf lan­ge Sicht nicht zu leis­ten, zu­mal da­zu noch min­des­tens 1/3 an Ar­beits­zeit für Tä­tig­kei­ten im Rah­men der Be­hand­lung oh­ne Pa­ti­en­ten­kon­takt, Bü­ro­or­ga­ni­sa­ti­on, Aus­fall­stun­den, Su­per­vi­si­on und sons­ti­ge Fort­bil­dung da­zu zu rech­nen ist. So kom­men Psy­cho­the­ra­peu­ten mit vol­ler, aber nicht ma­xi­ma­ler Aus­las­tung auf 25-32 Pa­ti­en­ten­stun­den und da­mit nor­ma­ler­wei­se auf ins­ge­samt ca. 37-48 Stun­den Wo­chen­ar­beits­zeit – mehr ist dau­er­haft nicht zu leis­ten. So­gar die durch­schnitt­li­che Ar­beits­zeit be­trägt laut ZI-Be­fra­gung der KBV 42 Wo­chen­stun­den.

3. Wer ei­ne Kas­sen­zu­las­sung hat, darf und kann gar nicht zu­sätz­lich und da­ne­ben in Kos­ten­er­stat­tung ar­bei­ten. Na­tür­lich darf er zu­sätz­lich Pri­vat­ver­si­cher­te nach GOP/GOÄ be­han­deln. Aber nur ca. 10% der Pa­ti­en­ten bei Psy­cho­the­ra­peu­ten sind pri­vat ver­si­chert, und der üb­li­che 2,3 fa­che Satz liegt auch nur 12-15 % über dem GKV-Ho­no­rar – an­ders als bei an­de­ren Ärz­ten. Da­mit ist klar, dass ei­ne Un­ter­stel­lung ab­surd ist, die zu­ge­las­se­nen Psy­cho­the­ra­peu­ten wür­den aus fi­nan­zi­el­len In­ter­es­sen nur we­ni­ge Kas­sen­pa­ti­en­ten be­han­deln.

4. Die Be­hand­lungs­leis­tun­gen der Psy­cho­the­ra­peu­ten sind zeit­ge­bun­den, kön­nen al­so nicht durch Rou­ti­ne oder tech­ni­schen Fort­schritt schnel­ler ge­leis­tet wer­den. Sie sind au­ßer­dem nicht de­le­gier­bar, d.h. je­der Psy­cho­the­ra­peut er­bringt die Leis­tung von An­fang bis zum En­de sel­ber. Dies spie­gelt sich dann selbst­ver­ständ­lich auch in der Ge­samt­stun­den­zahl ei­ner Pra­xis.

5. Na­tür­lich ist es rich­tig, dass es nach wie vor – re­gio­nal un­ter­schied­lich – län­ge­re War­te­zei­ten auf einen Psy­cho­the­ra­pie­platz gibt. Das liegt aber am Fest­hal­ten an ei­ner völ­lig ab­sur­den Be­darfs­pla­nung, die im Jah­re 1999 einen Ist­zu­stand zum Soll er­klärt hat, und dies wur­de bis­her – v.a. aus Kos­ten­grün­den – nie an die Rea­li­tät des Ver­sor­gungs­be­darfs an­ge­passt.

6. Im Üb­ri­gen soll­te doch auf­fal­len, dass sich die Psy­cho­the­ra­peu­ten zwar hin­sicht­lich ih­res Ein­kom­mens ganz am un­te­ren En­de al­ler Arzt­grup­pen be­fin­den, aber den­noch nicht ein­fach mehr ar­bei­ten, um mehr zu ver­die­nen. Die durch­schnitt­li­che Zahl an Be­hand­lungs­stun­den ist seit Jah­ren kon­stant. Wie kommt das? Das liegt dar­an, dass mehr als 25 bis 32 Pa­ti­en­ten­stun­den auf Dau­er nicht ver­kraft­bar sind. Wer Bur­nout be­han­deln will, darf sel­ber kei­nen ha­ben!

Ber­lin, den 30.07.14

An­fra­gen und In­ter­view­wün­sche rich­ten Sie bit­te an:

Dr. Frank Ro­land Deis­ter

Fe­lix-Dahn-Str. 25

60431 Frank­furt am Main
Mail: f.r.deis­ter@t-on­li­ne.de
Tel.: 069-521617
Mo­bil: 0171-6519035

weitere Artikel zum Thema

Cookie-Warnung

Für statistische Zwecke und um bestmögliche Funktionalität zu bieten, speichert diese Website Cookies auf Ihrem Gerät. Das Speichern von Cookies kann in den Browser-Einstellungen deaktiviert werden. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Details finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Akzeptieren